Du siehst fit aus
... sagte jemand beim Video Call nach meinem Urlaub. "Danke" sage ich und kommentiere nicht weiter. In meinem Hinterkopf wimmelt es von Gedanken, Zweifeln und Erinnerungen. Im Bauch brennt es, wie immer. Alles wie gehabt. Ich spüre Druck, weil noch immer keine Besserung eingetreten ist und ich einfach keine Lösung finde. Ich frage mich, ob die Enttäuschung der anderen schlimmer ist, als meine eigene, nichts zu finden was mir hilft. Dann frage ich mich, ob ich mir das alles einbilde und einfach aufhören sollte, den Schmerz wahrzunehmen. Wegen eine Schürfwunde am Knie wäre ich schließlich auch nicht krank. Eine Schürfwunde, die Seit vier Monaten nicht heilt und an der ein kleiner Gnom sitzt der immer wieder daran kratzt und pustet. Ich fühle mich müde. So geht es Tag ein Tag aus.
Kampf oder Flucht?
Ich habe mir eine Leinwand gekauft, groß genug um mit dem ganzen Arm auszuholen, während ich male. Im Garten stelle ich meine Staffelei auf, richte meine Acrylfarben, Wasser und Pinsel. Dann sitze ich eine Weile grübelnd im Gras, mir fällt kein Motiv ein. Plötzlich spüre ich kurz etwas auf meinem Kopf, es zieht an meinen Haaren. Ich sehe wie eine. Amsel von mir weg fliegt, auf einem Zaunpfosten landet und mich verwirrt anstarrt. Das ist es - diesen Moment werde ich festhalten. Ich fange mit dem Himmel an, mische ein sanftes helles Gelb und beginne zu malen. Die Sorgen verschwinden wie Wolken. Für eine Weile gibt es nur noch das Bild und mich. Es ist wie eine Pause.
Warum tut das so gut?
Es gibt mehrere Aspekte, die dazu beitragen, dass das Malen helfen kann, wie eine Medizin, besser als es Ibus tun. Das liegt daran, dass man beim Malen in Kontakt zu sich selbst kommt. Wenn wir etwas erschaffen, erfahren wir Selbstwirksamkeit. Das baut uns innerlich auf, wir führen etwas aus und sehen ein Ergebnis. Wir arbeiten auf etwas hin und erleben gleichzeitig neugierig den Prozess, wir scheitern und bessern aus, wir haben Erfolge und finden Lösungen. Wir lernen außerdem loszulassen, wieder zu spielen und genau hinzusehen. Wir drücken unsere Gefühle aus und finden uns wieder in den Farben, die wir wählen. Wenn ich Ruhe brauche, verwende ich viel blau und grün. Wenn ich Hoffnung brauche, dann warme Farben wie Orange. Man merkt, die Wirkung ist vielseitig. Für mich sind das die wichtigsten Punkte:
Der Fokus auf das Bild, weg von Schmerz und sich überschlagenden Gedanken
Emotionaler Ausdruck und die Wechselwirkung der Farben auf mich
Lernen, Herausforderungen zu meistern
Endorphine und Mut, wenn ich Erfolge habe
Die Freiheit, etwas zu kreieren was nur mir gehört
Wer Endometriose hat, hat einiges zu verarbeiten
Ich denke, das trifft sehr oft zu. Die betroffenen Frauen, die ich kennengelernt habe, haben alle eine Leidensgeschichte hinter sich. Meine möchte ich gerne teilen. Denn du musst nicht 10 Operationen hinter dir haben oder jeden Monat Wehen ähnliche Schmerzen haben, damit deine Belastung anerkannt wird. Endometriose hat viele Facetten.